

Bi-Wai-Di: Grüezi Bildjudrim
Nur damit Sie es schon von Anfang an richtig aussprechen, denn BYD steigt in den Schweizer Markt ein. Kein stiller Einstieg, sondern einer mit klarer Ansage: eigene Verkaufsstellen, eigene Strategie, eigene Technologie.
BYD ist der grösste E-Auto-Hersteller der Welt. Darum kommt der chinesische Technologiekonzern auch nicht auf leisen Sohlen, sondern mit Pauken und Trompeten. Ihr Ziel ist es nicht, nur am Tisch zu sitzen und um ein paar Marktanteile zu streiten, sondern sich in Europa strategisch zu positionieren. Und die Schweiz spielt dabei eine zentrale Rolle.
BYD will bis Ende 2028 ein Netz mit 80 Verkaufsstellen aufbauen. Der erste Showroom steht in Zürich, weitere Standorte in Luzern, Basel, Bern und Genf folgen. Bis Ende dieses Jahres sollen es 15 Verkaufsstellen sein. BYD geht nicht den Weg über leise Partnerschaften, sondern tritt direkt auf. Die im Rahmen des letzten Genfer Automobil Salon 2024 verkündete Partnerschaft mit Emil Frey wurde wieder aufgelöst. Dann eben ohne Partner, dachten sich wohl die Chinesen.
Warum gerade die Schweiz?
Erstens: wirtschaftlich attraktiv, zweitens: keine EU-Zölle dank einem Freihandelsabkommen mit China. Die Mehrwertsteuer liegt hier tiefer als in Deutschland. Das schafft Spielraum – entweder für aggressive Preise oder bessere Margen. Mal abwarten, für welche Seite man sich entscheidet. Drittens: Der Markt hier wird als technologieoffen angesehen und man sei bereit, auch neuen Marken eine Chance zu geben.
Der Einstieg erfolgt mit drei Modellen im mittleren bis oberen Preissegment: einer sportlichen Limousine (Seal), einem SUV (Sealion 7) und einem Plug-in-Hybrid-Zugenbrecher namens Seal U DM-i. Alle mit moderner Ausstattung, guter Reichweite und einer eigenen Schnellladetechnologie. In den vergangenen Woche habe man erfolgreiche Tests mit Versuchsträgern durchgeführt. Reichweiten bis 570 Kilometer und eine Ladezeit von fünf Minuten für 400 Kilometer Strom sollen nun bis zur Serienreife entwickelt werden. Das sollte den üblichen E-Auto-Bedenken Wind aus den Segeln nehmen.

Wind of Change?
Wind in die BYD-Segel bläst aktuell Tesla. Die US-Marke gerät unter Druck. Die Verkaufszahlen in der Schweiz sind zuletzt eingebrochen, das Vertrauen in die Marke leidet. BYD trifft mit seinem Angebot einen Nerv – das zeigt auch das gestiegene Suchinteresse auf Plattformen wie AutoScout24. Die Suchanfrage nach BYD-Fahrzeugen hat sich binnen einem Jahr vervierfacht. Noch fehlt es an Gebrauchtwagen, aber das wird sich mit der Zeit ändern.
Auch strukturell stellt BYD die Weichen: Eine neue Fabrik in Ungarn soll ab 2026 den europäischen Markt beliefern. Damit sinken Transportkosten und Zollbelastung – besonders relevant für Märkte innerhalb der EU. Parallel dazu läuft der technologische Ausbau auf Hochtouren: 120’000 Ingenieure, 22 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung und täglich 45 neue Patente sprechen für eine Innovationsagenda mit beeindruckender Geschwindigkeit.

Geballte Erfahrung
Ein wichtiger Teil dieser Europa-Strategie ist Maria Grazia Davino. Die ehemalige Stellantis-Managerin bringt nicht nur Branchenkenntnis, sondern auch das notwendige Gespür für den europäischen Markt mit. Sie soll BYD in der DACH-Region, Polen, Ungarn und der Slowakei strategisch verankern – mit Fokus auf Markenaufbau, Servicequalität und Nachhaltigkeit. Man setze nicht auf Schnellschüsse, sondern auf Vertrauen über Technologie – nicht über Rabatte. Doch sind wir ehrlich: Dass wir nicht alle Porsche fahren, hat schon ein bisschen mit dem finanziellen Aspekt zu tun. Wie preiswert die BYD-Fahrzeuge angeboten werden, bleibt abzuwarten.
Kleiner Hinweis: Bitte informieren Sie sich über die Fahrzeuge unter byd.ch und nicht byd.de. Nicht klicken. Neeeiinn. Gut, wenn Sie es uns nicht glauben wollen ;-)
Text: GAT
Bilder: BYD