

Frischluft in der Festung
Nach über zehn Jahren Pause kehrt das G-Klasse Cabriolet zurück. Aber nicht etwa als nostalgischer Zweitürer, sondern als viertüriges Luxus-Cabriolet mit Stoffverdeck. «Des hamma früher scho baut», dürfte man sich bei Magna Steyr in Graz denken. Bereits 2017 entstand eine limitierte Landaulet-Version.
Als die erste G-Klasse 1979 vorgestellt wurde, dachte niemand an Monaco, Küsnacht oder Beverly Hills. Der Geländewagen entstand ursprünglich auf Initiative des iranischen Schahs als kompromissloses Arbeitsgerät für Militär, Behörden und Expeditionen. Daraus wurde nichts: Der Schah wurde jedoch gestürzt – die bestellten Exemplare wurden nie ausgeliefert.
Steirer Buam

Also musste ein ziviler Markt her. Über das Mercedes-Nutzfahrzeugnetz fand die G-Klasse doch noch ihre Abnehmer – insbesondere bei Kommunen, Förstern und Jägern. Darunter gab es auch immer mehr Privatpersonen, wie zum Beispiel den Steirer-Buam Arnold Schwarzenegger, der den Gelände-Mercedes «made in Graz» in den USA salonfähig machte. Heute ist die G-Klasse längst Statussymbol – mit Wartezeiten, die manche Luxusuhren alt aussehen lassen.

Auch offene Varianten gehörten jahrzehntelang zur Modellfamilie der G-Klasse. Bereits Anfang der 1980er-Jahre gab es ein zweitüriges Cabriolet mit Stoffverdeck. Bis 2013 blieb das offene G-Modell im Programm. Danach verschwand es – zumindest offiziell. Tuner wie Brabus oder Mansory verdienten prächtig mit aufwendigen Cabrio-Umbauten. Auch Mercedes-Maybach legte 2017 eine Landaulet-Version auf, die auf 99 Exemplare limitiert war.
Oben ohne Kompromisse

Wer auf ein Retro-Comeback des klassischen Zweitürers gehofft hat, wird enttäuscht. Das neue Cabriolet bleibt ein vollwertiger Viertürer mit langem Radstand. Statt das Dach komplett zu entfernen, spannt sich ein grosses, elektrisch öffnendes Stoffverdeck über beide Sitzreihen. Die Türrahmen bleiben erhalten und sorgen für die notwendige Stabilität.
AMG statt Sonnenhut
Die ersten offiziellen Teaser lassen kaum Zweifel offen: Mercedes startet die neue Generation gleich als AMG G 63 Cabriolet. Erkennbar ist das unter anderem an den seitlichen Auspuffrohren, dem AMG-Kühlergrill und den typischen Leichtmetallrädern.

Unter der Haube dürfte der bekannte Vierliter-V8-Biturbo arbeiten, der im aktuellen Mercedes-AMG G 63 585 PS und 850 Nm leistet. Technische Details nennt Mercedes zwar noch nicht offiziell, doch alles deutet darauf hin, dass Antrieb und Fahrwerk weitgehend vom geschlossenen AMG übernommen werden.
Limitiertes Sondermodell?
Mercedes spricht selbst von einem «Sondermodell». Was genau das bedeutet, bleibt offen. Denkbar ist eine limitierte Kleinserie oder zumindest eine deutlich geringere Produktion als bei der normalen G-Klasse.
Produziert wird das Cabriolet wie alle G-Modelle bei Magna Steyr im österreichischen Graz. Die Weltpremiere dürfte unmittelbar bevorstehen, die ersten Kundenfahrzeuge sollen 2027 ausgeliefert werden. Preis? Offiziell schweigt Mercedes. Aber wir vermuten, dass das Cabriolet rund 250'000 Franken kosten wird.
Die G-Klasse wurde als Militärfahrzeug entwickelt, dann im zivilen Arbeitsalltag eingesetzt, bevor sie zum Lieblingsauto von Rockstars, Fussballern und Scheichs wurde. Kaum ein anderes Modell hat eine derart grosse Spannweite an Kundschaft wie die G-Klasse. Darunter werden sich bestimmt auch Käuferinnen und Käufer finden, die genau auf dieses Modell gewartet haben.
Bilder: Mercedes-AMG


