

Hennessey Blackbird: Gegen den Zeitgeist
Ohne Turbos, Elektromotoren und Doppelkupplungsgetriebe geht heute kein Hypercar mehr an den Start. Ausser Hennessey, die im neuen Blackbird auf alles verzichten, was modern ist. Und trotzdem bollert ein frei saugender V8 mit bis zu 850 PS durch vier zentral angeordnete Auspuffrohre.
Hennessey ist bekannt für absurde PS-Orgien. Gegründet 1991 von Rennfahrer John Hennessey in Sealy, Texas, wurde die Tuning-Schmiede vor allem mit extremen Leistungssteigerungen für amerikanische Muscle Cars wie Dodge Viper, Chevrolet Corvette oder Cadillac CTS-V bekannt. Später nahm Hennessey auch europäische Sportwagen und Pick-ups ins Visier. Modelle wie der Venom 1000, der VelociRaptor oder der über 1000 PS starke Mammoth TRX machten Hennessey weltweit bekannt.

Venom-Rekorde
Den endgültigen Sprung in die Liga der Hypercar-Hersteller schaffte Hennessey 2010 mit dem Venom GT. Der auf einem Lotus Exige basierende Supersportwagen erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von 435,3 km/h und gehörte zeitweise zu den schnellsten Serienfahrzeugen der Welt. Sein Nachfolger, der Venom F5, soll sogar über 500 km/h schaffen und zählt mit bis zu 1817 PS zu den extremsten Hypercars überhaupt.

Weg mit den Muskeln
Mit dem Blackbird schlägt Hennessey nun überraschend einen anderen Weg ein. Statt immer mehr Leistung und noch höherer Endgeschwindigkeit stehen beim Blackbird Leichtbau, Handschaltung und ein hochdrehender Saugmotor im Mittelpunkt. Fast so, als würde ein Bodybuilder plötzlich Marathon laufen.

Der neue Hennessey Blackbird ist ebenfalls die Antithese zum aktuellen Zeitgeist. Statt Hybridantrieb, Touchscreens und Fahrerassistenzsystemen gibt es einen frei saugenden V8, Hinterradantrieb und ein offenes Sechsgang-Schaltgetriebe mit klassischer Schaltkulisse. Wie früher, einfach extremer.
Stärkster V8-Sauger der Welt?

Unter der Karbon-Karosserie arbeitet ein neu entwickelter 6,2-Liter-V8, den Hennessey gemeinsam mit den Motorsport-Spezialisten von Ilmor Engineering entwickelt hat. Das Triebwerk dreht über 9000 Touren und soll zwischen 800 und 850 PS leisten. Hennessey bezeichnet das Aggregat selbstbewusst als stärksten frei saugenden Serien-V8 der Welt. Ausserdem peilt der Hersteller 2,5 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h sowie eine Höchstgeschwindigkeit von rund 354 km/h an.
Weniger Gewicht, mehr Gefühl

Gewicht ist der Feind der Geschwindigkeit. Deshalb bestehen Monocoque und Karosserie vollständig aus Karbon. Das Zielgewicht liegt unter 1360 Kilogramm – für einen Hypercar mit über 800 PS geradezu unglaublich. Zusammen mit Hinterradantrieb und adaptivem Fahrwerk verspricht der Blackbird maximalen Fahrspass.
Analog statt Algorithmus

Noch radikaler wird der Blackbird im Innenraum. Wo andere Hersteller mehr Displays stapeln als ein MediaMarkt am Black Friday, herrscht hier Minimalismus. Analoge Rundinstrumente, ein klassischer Zündschlüssel, ein Lenkrad ohne Tasten und keine zentrale Infotainment-Landschaft.
Flugzeug statt Heckflügel

Auch optisch hebt sich der Blackbird von der Masse ab. Anstelle eines riesigen Heckflügels setzt Hennessey auf aktive vertikale Finnen, die sich bei höherem Tempo ausfahren. Spätestens hier wird erkennbar, dass der Blackbird eine Hommage an das legendäre Aufklärungsflugzeug Lockheed SR-71 Blackbird ist, das über Jahrzehnte als schnellstes bemanntes Flugzeug der Welt galt.
Exklusives Kunstwerk

Gerade einmal 71 Exemplare sollen gebaut werden – eine Anspielung auf den SR-71 Blackbird. Der Einstiegspreis liegt bei rund 2,5 Millionen US-Dollar. Obwohl die ersten Fahrzeuge erst ab 2029 ausgeliefert werden sollen, ist bereits ein Grossteil der Produktion reserviert.
Bilder: Hennessey


