The Cars of … Miles Davis

Jazz, Drugs & Ferraris

Miles Davis war nie der Typ für halbe Sachen. Nicht in der Musik. Nicht im Leben. Nicht bei Autos. Der Jazzmusiker fuhr seine Ferraris, Lamborghinis und Mercedes wie er Trompete spielte – schnell, gefährlich und immer am Limit. Am 26. Mai wäre Miles Davis 100 Jahre alt geworden. Doch das Leben auf der Überholspur endete 1991.

Veröffentlicht am 26.05.2026

«Don’t play what’s there, play what’s not there», fasste Miles Davis seine Genialität in einem Satz zusammen. Er revolutionierte den Jazz, indem er aus den universellen Bausteinen der Musik eine eigene Welt kreierte. Und erfand sich dabei stets neu. Miles Davis spielte Trompete, als würde er gegen die Zukunft kämpfen. Kühl, aggressiv, elegant – und immer ein paar Jahre voraus.

Als 1959 «Kind of Blue» erschien, veränderte er den Jazz für immer. Während andere Musiker noch davon träumten, sich irgendwann einen Cadillac leisten zu können, sass Miles längst in europäischen Exoten mit zwölf Zylindern und Lederinterieur.

Autos waren für Miles Davis nie bloss Fortbewegungsmittel. Sie waren Ausdruck seiner Persönlichkeit. Freiheit. Macht. Stil. Aber auch ein Schutzschild gegen eine rassistische Welt, die ihm trotz Ruhm und Erfolg das Leben schwer machte.

Kind of Cool

Miles Dewey Davis III wurde 1926 in Alton, Illinois, geboren und wuchs in East St. Louis auf. Sein Vater war Zahnarzt, die Familie vergleichsweise wohlhabend. Davis lernte früh Trompete und zog 1944 nach New York, offiziell zum Studium an der renommierten Juilliard School. In Wahrheit wollte er Charlie Parker, sein grosses Vorbild, finden. Und er fand viel mehr als das.

Innerhalb weniger Jahre spielte Davis mit Parker, Dizzy Gillespie und später John Coltrane. Er erfand den Cool Jazz, später den Modal Jazz und schliesslich Jazz Fusion. Andere Musiker suchten ihren Stil – Miles wechselte ihn einfach, sobald ihn jemand kopierte.

Ferrari statt Cadillac

Dasselbe galt auch für seine Autos. Während andere Stars auf Heckflossen und Chrom standen, liebte Miles europäische Sportwagen. Und fuhr einen Jaguar XK140, einen Mercedes-Benz 190 SL, etc. Ferraris faszinierten ihn besonders. Wahrscheinlich, weil sie genau das verkörperten, was auch seine Musik war: schön, nervös, kompliziert und gefährlich.

Zu seinen bekanntesten Fahrzeugen gehörten ein Ferrari 275 GTB/4, ein Ferrari 308 GTSi und später ein weisser Ferrari Testarossa. Doch kein Auto wurde so legendär wie sein grüner Lamborghini Miura.

Bitches Brew auf Rädern

Anfang der 1970er-Jahre war Miles Davis kaum mehr zu stoppen. Musikalisch zerlegte er mit «Bitches Brew» sämtliche Regeln des Jazz. Elektrische Gitarren, Funk-Rhythmen, psychedelische Klangflächen – Puristen waren entsetzt. Genau das gefiel ihm.

Der Lamborghini Miura passte perfekt zu dieser Phase seines Lebens. Mit quer eingebautem V12-Motor und rund 350 PS galt der Italiener damals als schnellstes und wildestes Serienauto der Welt. Kein vernünftiger Mensch kaufte einen Miura. Genau deshalb passte er perfekt zu Miles Davis.

Er fuhr den Lamborghini durch Manhattan wie andere Menschen einen Fiat Panda. Oft nachts. Oft zu schnell. Oft zugedröhnt.

1972 endete die Beziehung zwischen Miles und dem Miura spektakulär. Auf dem West Side Highway in New York verlor Davis die Kontrolle über den Wagen und crashte schwer. Beide Beine wurden verletzt. Der Lamborghini war Schrott. Doch kurz darauf sass er schon wieder im Studio.

Schwarzer Mann im Ferrari

Der wahre Grund, warum Miles Davis exotische Autos fuhr, ist trauriger. Miles Davis sprach offen darüber, wie oft er von der Polizei angehalten wurde. Nicht wegen seines Fahrstils, sondern weil ein schwarzer Mann in einem Ferrari oder Lamborghini für viele Beamte automatisch verdächtig wirkte.

Selbst als Weltstar blieb er Ziel rassistischer Kontrollen. Einmal wurde er vor einem Jazzclub brutal von Polizisten zusammengeschlagen – obwohl er dort gerade auftreten sollte.

Vielleicht liebte Davis deshalb europäische Autos so sehr: Sie machten ihn sichtbar. Unübersehbar. Ein Ferrari vor einem Jazzclub war ein Statement an eine Gesellschaft, die ihn lieber unsichtbar gehabt hätte.

Mercedes und Heroin

Wie seine Musik veränderte sich im Laufe der Jahre auch Miles’ Autogeschmack. Die wilden Miura-Jahre gingen vorbei. Heroin, Kokain und Alkohol hinterliessen tiefe Spuren. In den 1980ern fuhr er häufiger Mercedes-Modelle und luxuriöse GTs. Der Exzess blieb – nur kultivierter. Und desaströser.

Als er 1981 mit «The Man with the Horn» zurückkehrte, war Miles wieder da: älter, kaputter – aber immer noch cooler als alle anderen.

Birth of the Cool

Miles Davis starb 1991 im Alter von 65 Jahren in Kalifornien. Doch sein Einfluss ist bis heute gigantisch. Ohne ihn gäbe es keinen modernen Jazz, keinen Jazzrock und wahrscheinlich auch keinen Hip-Hop. Am 26. Mai wäre Miles Davis 100 Jahre alt geworden.

Miles Davis spielte nie auf Sicherheit. Weder auf der Bühne noch hinter dem Steuer.

Bilder: diverse

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