Mondial de l’Auto, Paris

Der Lancia Gamma ist zurück

Totgesagte leben länger. Das gilt besonders für italienische Automarken. Lancia war schon mehrmals auf dem Weg ins automobile Jenseits, hat sich aber immer wieder irgendwie zurückgemeldet. Zuletzt mit dem neuen Ypsilon. Jetzt folgt der nächste Schritt: Auf dem Pariser Autosalon präsentiert Lancia den neuen Gamma.

Veröffentlicht am 20.10.2026

Vor genau 50 Jahren präsentierte Lancia den ersten Gamma. Eine elegante, eigenwillige Limousine, die vor allem als Coupé bis heute ihre Liebhaber hat. Der neue Gamma interpretiert das Thema völlig anders. Statt klassischer Limousine gibt es einen 4,67 Meter langen Fastback-Crossover mit 2,79 Metern Radstand, fliessender Dachlinie und einer gehörigen Portion italienischem Design.

Vorne leuchtet der typische Lancia-Kelch, hinten erinnert die Lichtsignatur an historische Modelle. Sogar die sogenannten «Veneziane», aerodynamische Gestaltungselemente des ursprünglichen Gamma, erleben eine Neuinterpretation. Das Ganze soll nicht nur schön aussehen, sondern mit einem cW-Wert von 0,25 auch ausgesprochen windschnittig sein.

Ein Wohnzimmer auf Rädern

Im Innenraum möchte Lancia an alte Tugenden anknüpfen: Komfort, Eleganz und eine gewisse italienische Wohnlichkeit. Das Unternehmen nennt es «Italian Home Feeling». Dazu gehören ein kleiner Couchtisch, eine aufwendige Ambientebeleuchtung und Materialien, die zu mehr als 60 Prozent der sichtbaren Innenraumoberflächen aus nachhaltigen Werkstoffen bestehen sollen.

Ein 16-Zoll-Zentraldisplay übernimmt zusammen mit dem S.A.L.A.-System die Steuerung von Unterhaltung, Klimatisierung und Beleuchtung. Trotz der coupéartigen Silhouette verspricht Lancia viel Platz im Fond und einen Kofferraum mit 560 Litern Volumen.

Vernünftig bis Integrale

Beim Antrieb zeigt sich Lancia undogmatisch. Den Einstieg bildet ein 1,2-Liter-Hybrid mit 145 PS und einer Gesamtreichweite von mehr als 1000 Kilometern. Darüber rangieren zwei Elektroversionen: eine mit 230 PS und über 540 Kilometern Reichweite sowie eine Long-Range-Ausführung mit 245 PS und bis zu 741 Kilometern.

Die eigentliche Überraschung heisst allerdings Gamma HF Integrale. Zwei Elektromotoren, Allradantrieb und 375 PS sollen dem neuen Flaggschiff eine sportliche Seele verleihen. Die Reichweite gibt Lancia mit bis zu 675 Kilometern an. Ein Integrale ohne Turbopfeifen, ohne Benzingeruch und ohne Auspuff? Daran müssen sich Lancia-Fans wohl erst gewöhnen.

Rallye-Gene inklusive

Immerhin nimmt Lancia seine sportliche Vergangenheit wieder ernst. Neben dem Gamma stehen in Paris der 280 PS starke elektrische Ypsilon HF und der Ypsilon Rally2 HF Integrale. Letzterer markiert die Rückkehr der Marke in den internationalen Rallyesport. Zehn Konstrukteurs-Weltmeistertitel hat Lancia einst gesammelt, sechs davon in Folge zwischen 1987 und 1992.

Ob der neue Gamma dereinst einen ähnlichen Kultstatus erreicht wie Stratos, Delta Integrale oder Gamma Coupé, bleibt abzuwarten. Immerhin ist er ein deutliches Lebenszeichen einer Marke, die lange nur noch von ihrer Vergangenheit lebte. Entwickelt und gebaut wird der neue Gamma in Italien, im Stellantis-Werk Melfi.

Bilder: Lancia

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