Oldtimer in Obwalden

Pfingsten mit Patina

«O-iO» ist sowohl Ausdruck des Staunens als auch die Abkürzung für «Oldtimer in Obwalden». Jeweils an Pfingsten treffen sich in Sarnen über 500 historische Fahrzeuge aller Klassen. Bereits zum 27. Mal wurde der Dorfkern zum rollenden Freilichtmuseum.

Veröffentlicht am 30.05.2026

Sarnen ist eigentlich ein ruhiger Ort, ein hübscher Fleck zwischen Bergen und See. Doch am Pfingstwochenende verwandelt sich der Dorfkern in ein Freilichtmuseum auf Rädern. Oldtimer in Obwalden, kurz O-iO, gehört zu den charmantesten Oldtimertreffen der Schweiz.

Über 500 historische Fahrzeuge aus mehr als hundert Jahren Automobilgeschichte treffen sich hier – vom knatternden Vorkriegs-Veteranen bis zum verchromten Luxusliner. Über 80 Fahrzeuge stammen sogar aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg.

Alles war zu sehen: von legendären Post- und Feuerwehrfahrzeugen über exklusive Luxusmarken bis hin zu den beliebten «Brot-und-Butterautos». Hier wird Geschichte nicht museal ausgestellt, sondern gefahren. Die Klassiker rollen, knattern, dampfen, riechen nach Benzin, Leder und verklärter Vergangenheit.

Mobiles Freilichtmuseum

Seit dem Jahr 2000 findet O-iO traditionell am Pfingstwochenende statt und ist vor allem ein  Volksfest. Es ist für alle kostenlos zugänglich, bietet viele Side-Events, Konzerte sowie Gastwirtschaften und ist erstaunlich familienfreundlich. Hier stehen Grossväter neben Enkelkindern, Petrolheads neben Familien mit Kinderwagen. Während die einen ehrfürchtig über die Linien eines Bugatti diskutieren, freuen sich die anderen über einen alten VW Käfer oder einen Fiat 500. Jeder Besucher hat irgendein Auto, das ihn emotional trifft. Das erste Familienauto. Der Traumwagen aus Jugendzeiten. Denn Oldtimer sind nicht bloss Maschinen – sie sind Zeitmaschinen.

Beliebte Passagierfahrten

Besonders beliebt sind die Passagierfahrten am Samstagnachmittag. Zuschauer dürfen dann in historischen Fahrzeugen mitfahren. Und plötzlich wird aus einem schönen Auto ein echtes Erlebnis. Das Knattern der Motoren, der Geruch von unverbranntem Benzin, das Schaukeln eines weich gefederten Amerikaners oder das mechanische Arbeiten eines Vorkriegsgetriebes: All das versteht man erst wirklich, wenn man selbst darin sitzt.

Seifenkistenrennen statt Playstation

O-iO denkt aber an die nächste Generation. Deshalb gehört das legendäre Seifenkistenrennen fest zum Programm. Schülerinnen und Schüler rasen mit selbstgebauten Boliden einen abgesperrten Kurs hinunter – emissionsfrei, aber garantiert nicht emotionsfrei.

Während heute viele Kinder ihre Rennen auf Bildschirmen austragen, riecht es hier nach Holz, Gummi und Abenteuer. Das ist Motorsport in seiner ursprünglichsten Form: simpel, laut, lustig – und manchmal auch ein bisschen chaotisch.

Dazu kommen Modellauto-Workshops, Mini-Bullis für Kinder und kostenlose Konzerte am Abend. O-iO ist eben kein Anlass nur für Hardcore-Schrauber, sondern ein generationsübergreifendes Volksfest.

Nostalgie-Tross über den Brünig

Der eigentliche Höhepunkt folgte am Sonntag: die grosse Ausfahrt. Dann fuhr der historische Tross auf Nebenstrassen von Sarnen über den Brünigpass ins Berner Oberland – via Meiringen, Brienz und Interlaken.

Zwischen Interlaken und Brienz trafen die historischen Automobile auf die Brünig Dampfbahn. Historische Mobilität auf Schiene und Strasse – ein Gänsehautmoment mit Dampf, Chrom und Nostalgie. O-iO erinnert daran, dass Autofahren einmal mehr war als reine Fortbewegung. Dass Autos Emotionen auslösen konnten. Und immer noch können.

Bilder: Christian Lienhard (lienhardbildwerke.ch)

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