

Papas offener Traum
Andere Söhne bringen ihrem Vater Blumen ans Grab. Constantin Buschmann baute ihm einen 1000-PS-Gran-Turismo. Das Brabus Bodo Cabriolet ist eine Hommage an Firmengründer Bodo Buschmann, der schon immer von so einem Auto träumte.
Bodo Buschmann hatte eigentlich alles erreicht. Was 1977 in einer kleinen Halle mit gerade einmal 20 umgebauten Autos begann, wurde unter Bodo Buschmann zum grössten unabhängigen Autotuner der Welt. Anfang der 2000er veredelte Brabus bereits rund 7000 Autos jährlich und beschäftigte mehr als 350 Mitarbeitende. Aus Bodos kleiner Tuningbude wurde ein globales Luxuslabel. Heute liefert die Marke in rund 100 Länder. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte Brabus rund 150 Millionen Euro um. Constantin Buschmann hat das Familienerbe nicht nur verwaltet, sondern vergrössert. Weltweit arbeiten heute rund 550 Mitarbeiter für Brabus.

Fast 20 Jahre ist es her, dass Bodo Buschmann die Idee eines Gran Turismo mit seinem Sohn Constantin diskutierte. Zur Produktion eines solchen kam es nicht. 2018 starb der Firmengründer. Acht Jahre später hat Constantin den Traum seines Vaters verwirklicht. Das Auto heisst deshalb schlicht: Bodo.
Aston im Herzen

Unter der Haut steckt ein Aston Martin Vanquish Volante. Viel davon sieht man nicht mehr. Der Bodo ist nämlich nicht einfach ein getunter Aston Martin, sondern ein Coachbuilding-Projekt. Mit dem Bodo geht Brabus noch einen Schritt weiter: Statt bestehende Autos nur schneller zu machen, entsteht hier ein weitgehend eigenständiges Fahrzeug.

Brabus ersetzt die Karosserie durch eine komplett neu gezeichnete Hülle aus Pre-Preg-Karbon. Eigene Matrix-LED-Scheinwerfer, ein Grill mit 13 vertikalen Streben und aktive Aerodynamik inklusive ausfahrbarem Heckspoiler machen aus dem Aston einen Brabus.
1000 PS ohne Dach
Natürlich hätte Bodo Buschmann kaum Freude an einem Auto gehabt, das bloss schön aussieht. Also wurde der 5,2-Liter-Biturbo-V12 gründlich überarbeitet. Neue Turbolader, Schmiedekolben, Pleuel und Kurbelwelle helfen, die Leistung auf 735 kW/1000 PS und 1200 Nm zu treiben.

Das reicht für drei Sekunden von null auf 100 km/h, 8,5 Sekunden auf 200 und elektronisch begrenzte 360 km/h Spitze. Übertragen wird die Kraft über eine Achtgang-Automatik ausschliesslich auf die Hinterräder. 1000 PS, Hinterradantrieb und kein Dach: Das ist Lebensfreude und Todessehnsucht in einem.
Die magische 77

Selbst das Verdeck erzählt Familiengeschichte. Bei der hellen «Silk Stone»-Version trägt der Stoff ein eingewebtes 77-Muster – als Erinnerung an das Brabus-Gründungsjahr 1977. Und weil man in Bottrop offenbar konsequent ist, entstehen vom Cabriolet genau 77 Exemplare.

Der Preis liegt bei über einer Million Euro vor Steuern und Individualisierung. Das Bodo Cabriolet ist damit weniger Auto als rollendes Familienerbstück.

Bodo Buschmann konnte seinen Gran Turismo nicht mehr fahren. Doch vermutlich hätte ihm besonders das Cabriolet gefallen. Sein Sohn hat ihm nun eines gebaut – leider acht Jahre zu spät.
Bilder: Brabus


