60 Jahre Renault 4

R4 Fourgonnette – das Arbeitstier

Eine Ladekapazität von 300 kg, ein Volumen von fast zwei Kubikmetern, verstärkte Torsionsstäbe an der Hinterradaufhängung und eine verglaste Flügeltür hinten, die sich von rechts nach links öffnen lässt, um das Beladen von der Bordsteinkante aus zu erleichtern. Dieser Lieferwagen bringt auf kleinster Grundfläche viel Nutzwert. Aber das ist noch nicht alles. Er besitzt auch noch das berühmte "Girafon"....

Veröffentlicht am 29.12.2021

Eröffnung des Pariser Autosalons Oktober 1961: Zusammen mit dem Frankreich-Debut des Renault 4 – die Weltpremiere fand im Vormonat auf der IAA Frankfurt statt – feiert auch die erste Version eines Transporters, der „Fourgonnette“ genannt wurde, seine Premiere. Dessen Produktion läuft allerdings erst im Frühjahr 1962 an. Er bekommt zur Unterscheidung den Zusatz F4.

Die riesige, nach links öffnende Pforte und die zwei Kubikmeter Laderaum boten für viele Zwecke genügend Durchladebreite und Volumen, insbesondere für lose Gegenstände. Besonder praktisch war die Dachluke, mit der man längere Rohre oder Dachlatten bei geschlossener Tür befördern konnte. Oder man hätte auch eine Giraffe transportieren können, darum bekam die Klappe im Volksmund schnell den Übernamen "Girafon".

Mit dem F4 konnte man den Komfort und die Wendigkeit eines Kleinwagens mit dem Nutzen eines Transporters verbinden ohne einen echten Lieferwagen fahren zu müssen. Die meisten wurden als praktische, fensterlose Handwerkerautos oder Bäckerwagen eingesetzt und entsprechend im harten Arbeitsalltag verschlissen. Allerdings gab es auch die Kombination aus Personenwagen und Nutzfahrzeug, aber nur sehr wenige wurden als Neuwagen in dieser Konfiguration, also mit zwei weiteren Sitzplätzen auf der zusätzlichen Rückbank und den grossen Schiebefenstern hinten bestellt. 

Eine Sonderbestellung war der F4 Fourgonette für die französische Post. Er wurde mit verstärkten Scharnieren, schmalem Seitenfenster und seitlicher Plakathalterung, aber ohne Girafon ausgeliefert:

1978 kommt eine weitere Version hinzu: Der R4 Fourgonette F6 besitzt einen 12 Zentimeter längeren Radstand, grössere Heckleuchten und den stärkeren 1,1-Liter-Motor mit 34 PS aus dem GTL. Der F4 wird aber weitergebaut. Auch der F6 wird in diversen Varianten gebaut. Unser Fotomodell ist eine "Familienlimousine" mit hinteren Sitzen und Fensterscheiben:

Gerade dieses Auto wurde bei preissensiblen, jungen Familien sehr beliebt, weil es auch als Nutzfahrzeug oder Tiertransporter benutzt werden konnte. Es fand alsbald im Kangoo einen Nachfolger. Und als 1992 der offiziell letzte R4 gebaut wurde, war er noch nicht wirklich am Ende, denn die aller-allerletzten Autos waren Fourgonnette-Lieferwagen aus Spanien, die bis ins Jahr 1994 weitergebaut wurden. Obwohl die Fourgonnette in grosser Stückzahl gefertigt wurde und an jeder Ecke zu sehen war, sind gepflegte Exemplare heute nahezu ausgestorben. Sie war eben ein Arbeitstier und wurde gebraucht – und letztlich verbraucht ... 



Text und Fotos: Stefan Fritschi


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