Rétromobile in Paris

Citroëns verrückte Autowelt

Citroën stellt auf der Rétromobile in Paris nicht einfach alte Autos hin, sondern sechs Konzeptfahrzeuge aus fast neun Jahrzehnten Designgeschichte. Und zeigt damit, dass die wichtigste Konstante der Marke der Nonkonformismus ist.

Veröffentlicht am 26.01.2026

Mon Dieu, wie die Zeit vergeht. Die Rétromobile in Paris (28. Januar - 1. Februar) feiert dieses Jahr das 50-jährige Jubiläum. Das nutzt Citroën für ein 512 Quadratmeter grosses, begehbares Manifest ihrer Designgeschichte. Kein verklärter Rückblick, sondern ein roter Faden von 1939 bis morgen früh. Und der heisst: Komfort für alle, Technik mit Sinn und Design ohne Kompromisse.

ELO – mobiles Ideenlabor 

Von wegen retro: Im Zentrum des Citroën Messestands steht ELO, ein Konzeptfahrzeug, das weniger Auto sein will als Raum. Mit rund 4,10 Metern Länge bleibt es kompakt, innen aber öffnet sich eine neue Welt. Bis zu sechs Personen, modulare Sitzlandschaften, Arbeits-, Lounge- und Rückzugszonen. Wer hier einsteigt, soll nicht nur fahren, sondern leben.

2CV A – Urknall der Massenmobilität

1939 begann alles mit einer simplen Idee: vier Räder, ein Dach, Platz für vier Menschen und 50 Kilogramm Kartoffeln. Der 2CV A war ein Auto für das echte Leben. Herausnehmbare Sitze, maximaler Federungskomfort, minimale Technik. Dass fast alle frühen Exemplare im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, macht den hier gezeigten Prototypen zu einem rollenden Wunder.

C10 – Aerodynamik vor 70 Jahren

Der C10 von 1956 sah aus wie ein Tropfen auf Rädern. Leichtbau, Luftfahrtdenken, maximale Effizienz. Während andere noch opulente Kühlergrills modellierten, dachte Citroën bereits in Luftströmungen. Das Resultat war zwar keine Schönheitskönigin, dafür ein radikal funktionales Objekt – und damit typisch Citroën.

Karin – schöne neue Welt 

1980 setzte Karin einen Punkt, den bis heute kaum jemand übertroffen hat. Pyramidenform, zentrale Sitzposition, elektronische Anzeigen, Joystick-Steuerung. Designer Trevor Fiore wollte provozieren – und tat es. Dass der ELO heute wieder auf die zentrale Fahrposition setzt, ist kein Zufall. Manche Ideen sind einfach zu gut, um zu sterben.

Activa 1 – Hydraulik und Elektronik verschmelzen

Mit dem Activa 1 zeigte Citroën 1988, wie weit man Komfort treiben kann, wenn man Technik ernst nimmt. Hochdruck-Hydraulik, elektronische Steuergeräte, Head-up-Display – das war seiner Zeit voraus. Viele Systeme, die heute selbstverständlich sind, wurden hier erstmals gedacht. 

Xanae – Wohnzimmer auf Rädern

1994 folgte mit dem Xanae eine Vision, die heute aktueller wirkt denn je. Säulenlose Türen, drehbare Sitze, ein Innenraum, der Begegnung fördert. Kein klassischer Van, sondern ein sozialer Raum. Das Konzept der drehbaren Vordersitze lebt im ELO weiter.

C-Cactus – Reduktion als Luxus

Der C-Cactus von 2007 stellte die vielleicht unbequemste Frage: Was braucht ein Auto wirklich? Weniger Teile, weniger Gewicht, mehr Nachhaltigkeit. Recycelte Materialien, einfache Formen, Fokus auf Wohlbefinden. Kein Verzicht, sondern Konzentration. 

Finale mit Geschichte

Einer der Höhepunkte der Citroën-Show ist der Traction Avant 15 6 Cabriolet von 1939. Eines von nur drei existierenden Prototypen weltweit. Bereits 1976 bei der ersten Rétromobile gezeigt, kehrt es nun zum 50-jährigen Messejubiläum zurück – ermöglicht durch den Club La Traction Universelle. 


Bilder: Citroën

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