

Art Cars on Ice
In St. Moritz scheint an über 300 Tagen im Jahr die Sonne. Natürlich auch am The I.C.E. St. Moritz 2026, dem wohl exklusivsten Auto-Concours der Welt. Ende Januar traf sich erneut die Crème de la Chrome, um auf dem gefrorenen St. Moritzersee ihre automobilen Kunstwerke tanzen zu lassen.
Eigentlich sind Eis und Schnee die natürlichen Todfeinde exklusiver Automobile. Nicht so in St. Moritz. Hier werden sie zur Bühne. Oldtimer, Rennwagen und Supercars, deren Gesamtwert auf deutlich über eine Viertelmilliarde Franken geschätzt wird, stehen auf dem Eis wie Skulpturen in einer temporären Freiluftgalerie.

Vintage Bentley Tourer
The I.C.E. – The International Concours of Elegance – gilt als das coolste Auto-Event des Winters. Seit 2019 findet der Anlass auf dem gefrorenen St. Moritzersee statt. Die Idee dahinter ist jedoch deutlich älter. Bereits 1985 durfte eine Gruppe britischer Autoenthusiasten erstmals mit ihren Vintage Bentley Tourern über den zugefrorenen See fahren. Es sollte fast 35 Jahre dauern, bis daraus eine offizielle Veranstaltung wurde. Eine erste Demo-Ausgabe unter strengen Auflagen überzeugte die Behörden – der Startschuss für den Schönheitswettbewerb auf Eis.

Weisser Ausstellungsraum

Heute zieht das I.C.E.-Wochenende jedes Jahr Zehntausende Besucherinnen und Besucher ins Engadin. Sie reisen aus der ganzen Welt an – genauso wie die Fahrzeuge und ihre Besitzer. Die Kulisse ist Teil des Zaubers: eine makellose Eisfläche, perfektes Licht, keine Tribünen, keine blinkenden Sponsoren-Screens. Der gefrorene St. Moritzersee wirkt dabei wie ein weisser Ausstellungsraum, der den rollenden Kunstobjekten maximalen Raum lässt.

Jury am Freitag
Am Freitag fand die eigentliche Jurierung statt. Das Teilnehmerfeld spannte einen Bogen von Vorkriegs-Ikonen über Rennwagen der 1950er-Jahre und Rallye-Legenden der 1970er bis hin zu frühen Hypercars der 1990er-Jahre.


Der unbestrittene Star des Concours war der Talbot-Lago T150C SS Teardrop von 1937 – eine fast unwirklich elegante Erscheinung. Ein Auto, das wirkt, als wäre es für diesen Ort entworfen worden, als St. Moritz noch Hotspot der Belle Époque war. Die Jury sah das genauso und kürte ihn zum «Best in Show 2026».

Weitere Klassensieger: der Lancia Stratos in der Kategorie «Legendary Liveries», der Maserati 4CLT bei den «Open Wheels», der Ferrari 750 Monza in «Barchettas on the Lake» sowie der Jaguar XJ220 als Sieger der neuen Kategorie «Birth of the Hypercar».

Eisparade
Der Unterschied zu klassischen Concours-Veranstaltungen zeigte sich am Samstag: Die Autos fuhren. Nicht im Schritttempo über den Rasen, sondern in freien Runden über das Eis. Es ging nicht um Zeiten oder Höchstgeschwindigkeiten, sondern um Bewegung, Präsenz und Haltung – ein Defilée der Schönheit.

Natürlich wollte der eine oder andere wissen, was sein Auto kann. So landete auch mal ein millionenteurer Klassiker im Tiefschnee. Kein Drama: Ein roter Fiat Panda 4×4 zog ihn wieder heraus. Spätestens hier wurde klar, warum dieses Auto Kultstatus geniesst. Als wäre das nicht genug, sorgte die Patrouille Suisse mit spektakulären Formationsflügen über dem See für den emotionalen Höhepunkt des Tages. Mehr St.-Moritz-Gefühl passt kaum in 24 Stunden.
Streetparade Sound

Nicht nur auf dem See gab es Aussergewöhnliches zu sehen. Ganz St. Moritz wurde während des I.C.E.-Wochenendes zur rollenden Streetparade. Doch statt Beats und Bass dominierten hier Zwölfzylinder-Symphonien. Erstmals wurde dafür ein eigener Preis vergeben: der «Best Sound Award». Gewonnen hat ihn ein Pontiac Vivant von 1965 – ein akustisches Statement mit amerikanischem Selbstbewusstsein.





Bilder: Christian Lienhard (lienhardbildwerke.ch)


