

Der leiseste Bentley aller Zeiten
Über 100 Jahre lang stand Bentley für donnernde Motoren, handpoliertes Wurzelholz und den Geruch feinsten Leders. Nun beginnt ein neues Kapitel: Der Torcal ist der erste vollelektrische Bentley der Geschichte – mit veganem Innenraum.
Kaum eine Marke ist so eng mit kraftvollen Verbrennungsmotoren verbunden wie Bentley. Der sonore V8, der legendäre W12 – sie gehörten zum Markenkern wie Big Ben zu London. Jetzt übernimmt Elektromobilität das Kommando.
Wenigstens bleibt Bentley einer Tradition treu. Und vergibt seinem ersten Stromer ebenfalls einen Namen mit geographischem Ursprung. Nach Bentayga, Bacalar und Batur folgt Torcal. Gemeint ist der Naturpark El Torcal de Antequera in Andalusien, eine spektakuläre Kalksteinlandschaft, deren bizarre Felsformationen über Millionen Jahre entstanden sind.
Doch der Name besitzt noch eine zweite Bedeutung. Er erinnert an das lateinische torquere – drehen oder verdrehen. Daraus entstand später das englische «Torque», also Drehmoment. Eine schönere Anspielung auf einen Elektromotor hätte Bentley kaum finden können. Denn kein Antrieb liefert seine Kraft so unmittelbar wie ein Elektromotor.
Die grösste Wette seit dem Continental GT
Bentley bezeichnet den Torcal als «Luxury Urban SUV». Urban wirkt bei einem knapp fünf Meter langen Luxus-SUV beinahe ironisch. Der Torcal soll künftig neben Continental GT, Flying Spur und Bentayga die vierte tragende Säule der Modellpalette bilden.

Für Bentley ist das mehr als nur ein neues Modell. Es ist wahrscheinlich die wichtigste Produkteinführung seit dem Continental GT von 2003. Damals machte der elegante Grand Tourer Bentley wirtschaftlich wieder erfolgreich. Jetzt soll der Torcal die Marke ins elektrische Zeitalter führen.
Britischer Massanzug, deutsche Technik
Noch schweigen die Briten über die technischen Details. Klar ist jedoch, dass der Torcal auf modernster 800-Volt-Technologie basiert und in Crewe gebaut wird. Branchenkenner rechnen mit einer technischen Verwandtschaft zum kommenden Porsche Cayenne Electric. Das überrascht wenig, schliesslich gehören Bentley und Porsche zum Volkswagen-Konzern.
Entsprechend hoch dürften die Erwartungen ausfallen. Mehrere hundert Kilowatt Leistung, enorme Ladegeschwindigkeit und eine Reichweite deutlich jenseits der 500-Kilometer-Marke gelten als wahrscheinlich. Bentley selbst spricht bislang lediglich von einer neuen Generation elektrischer Luxusmobilität.
Weniger Chrom, mehr Kristall
Auch optisch markiert der Torcal einen Wendepunkt. Erste Teaser zeigen eine deutlich modernere Formensprache. Die Lichtsignatur erinnert eher an geschliffene Kristalle als an klassische Scheinwerfer, während die Front den traditionellen Bentley-Kühlergrill neu interpretiert. Weniger Retro, mehr Zukunft. Der neue E-SUV soll ähnlich aussehen wie das vorgestellte Concept-Fahrzeug.

Luxus neu definiert
Der Innenraum dürfte ebenfalls einen Spagat schaffen. Bentley will seine legendäre Handwerkskunst bewahren und gleichzeitig stärker auf nachhaltige Materialien setzen. Feinstes Leder wird zunehmend durch innovative Naturfasern und recycelte Werkstoffe ergänzt. Der Torcal ist deshalb weit mehr als ein neues Auto. Er ist das Symbol einer neuen Unternehmensphilosophie.
Der Beginn einer neuen Epoche
Bentley wagt diesen Schritt in einer Zeit, in der viele Hersteller ihre Elektropläne vorsichtiger formulieren als noch vor wenigen Jahren. Gerade deshalb ist der Torcal bemerkenswert. Er soll beweisen, dass Elektromobilität nicht Verzicht bedeutet, sondern eine neue Form von Luxus. Ob das gelingt, wird sich am 23. September zeigen, wenn Bentley den Torcal offiziell enthüllt.
Bilder: Bentley


