

Erste Serien-Cobra mit Dach
Die AC Cobra ist vor allem bekannt für: Wind in den Haaren, V8-Grollen in den Ohren und Angstschweiss auf der Stirn. Nun gibt es zum ersten Mal die AC Cobra als Coupé. Das hat einen historischen Grund und ist Teil der zukünftigen Strategie der ältesten Automobilmanufaktur Grossbritanniens.
Eigentlich ist die AC Cobra nur einem Zufall zu verdanken. Anfang der 1960er-Jahre hatte die 1901 gegründete britische Sportwagenmarke AC Cars ein Problem. Ihr Modell AC Ace war zwar leicht, elegant und fahrdynamisch hervorragend, doch der bisher verwendete Bristol-Sechszylinder fiel weg, weil Bristol die Produktion einstellte.

Yankee Doodle
Zur gleichen Zeit suchte der texanische Rennfahrer und Hühnerfarmer Carroll Shelby nach einem Weg, die damals dominierenden europäischen Sportwagen von Ferrari zu schlagen. Seine Idee: Man nehme ein leichtes britisches Chassis und verpflanze einen grossen amerikanischen V8-Motor hinein. 1961 schrieb Shelby an AC Cars und fragte, ob sie ihm ein Ace-Chassis ohne Motor liefern würden. AC sagte ja. Anschliessend überzeugte Shelby die Ford Motor Company, ihren neuen 4,2-Liter-V8 beizusteuern.
Brutales Strassenmonster

1962 entstand der erste Prototyp. Das Ergebnis war ein Monster: leicht wie ein europäischer Roadster, aber mit der Kraft eines amerikanischen Muscle-Cars. Die AC Cobra war geboren. Zunächst wurden die sogenannten 289 Cobra mit 4,2- und später 4,7-Liter-V8 gebaut. Doch Shelby wollte mehr. Viel mehr. 1965 erschien die legendäre 427 Cobra mit einem gewaltigen 7,0-Liter-Ford-V8. Weil das ursprüngliche Fahrwerk mit dieser Leistung überfordert war, entwickelte AC ein neues Chassis mit breiteren Kotflügeln und stärkerem Rahmen. Mit über 425 PS und weniger als 1100 Kilogramm Gewicht war die Cobra eines der brutalsten Strassenautos ihrer Zeit.
Cobra vs. Ferrari
Besonders berühmt wurde die Cobra durch ihren Kampf gegen Ferrari in der GT-Weltmeisterschaft. Daraus entstand später das legendäre Shelby Cobra Daytona Coupé, das 1965 tatsächlich Ferrari den GT-WM-Titel entriss – einer der grössten Triumphe der amerikanischen Motorsportgeschichte.

Der neue AC Cobra GT Coupé knüpft an diese legendäre Zeit an. Seine Form erinnert bewusst an den AC A98 von Le Mans 1964. Die lange Motorhaube, die kurzen Überhänge und das muskulöse Heck zitieren die Vergangenheit, wirken aber gleichzeitig modern. Besonders das Kamm-Heck und das Doppelbuckel-Dach verleihen dem Wagen eine fast exotische Präsenz.
Die Ingenieure von AC Cars entwickelten für das neue Coupé ein hochmodernes Monocoque-Chassis aus stranggepresstem Aluminium und schufen damit eine Plattform, die sich auch für den neuen Roadster eignet. Mit einem Leergewicht von unter 1450 Kilogramm behält das Coupé die Performance-Qualitäten bei, für die seine Vorgänger berühmt waren.
Ford V8 ist Tradition
Zu einer echten AC Cobra gehört ein amerikanisches Herz. Vorn arbeitet ein 5,0-Liter-V8 von Ford, der wahlweise als Saugmotor oder mit Kompressor erhältlich ist. Die Standardversion leistet 319 kW (434 PS) und stellt 556 Nm bereit, die stärkere Ausführung kommt auf 522 kW (710 PS) und 820 Nm. Beide Motoren gibt es mit einem Sechsgang-Handschaltgetriebe. Für alle, die keinen Spass verstehen, gibt es das Coupé auch mit einer Zehngang-Automatik.
Neues Zeitalter für AC Cars

Das GT Coupé leitet ein neues Kapitel bei AC Cars ein. Der älteste britische Autohersteller hat erst kürzlich eine neue Produktionsstätte übernommen. Damit soll die Jahresproduktion von 100 handgebauten Fahrzeugen auf 1000 Autos pro Jahr steigen. Vom AC Cobra GT Coupé werden voraussichtlich 250 Exemplare pro Jahr für den weltweiten Markt gefertigt.
Beim neuen Coupé sollen die ersten Auslieferungen 2028 beginnen, angeboten werden Modelle mit Links- und Rechtslenkung. Der Einstiegspreis liegt bei rund 315 000 US-Dollar für die Standardmotorisierung beziehungsweise 345 000 US-Dollar für den Kompressor.
Bilder: AC Cobra


